Eine lange Tradition...

1936: In der Mittagssonne   Postkartenmotiv von 1926:                           1942: Die Frankenrieder Skijugend

vor der Mooshütte              Die "Löwengrube" am Rand des            

                                            Gennachhauser Mooses, Vorgängerbau der

                                            heutigen Mooshütte 

                                                        

Kein Telefon, kein Auto, kein Kühlschrank - heute Selbstverständlichkeiten! Das waren für die damaligen Bewohner jedoch unerreichbare und unbezahlbare Luxusgüter. Zur Kühlung diente während des Winters auf natürliche Weise erzeugtes Eis. In kleine Stücke geschlagen, im Eiskeller bis zur Decke aufgehäuft, überdauerte es mehrere Monate. So konnten bis weit in den Sommer hinein kühle Getränke ausgeschenkt werden. Sonntags wurden auf den kalten Bierfässern Kuchen und Sahnetorten abgestellt und so frischgehalten.

 

Die Mooshütte vor 80 Jahren

Die Wirtin war damals Veronika Reiß von 1930 - 1960. "Im Sommer Almbetrieb, 25-30 Stück Jungvieh: Kühe, Schweine, Ziegen und Hühner. Kein Strom, nur Petroleumlicht, kein Telefon, kein Auto, kein Kühlschrank. Zur Kühlung von Getränken diente ein angebauter Eiskeller, der im Winter mit Eisstücken gefüllt wurde. So konnten bis weit in den Sommer hinein kühle Getränke ausgeschenkt werden. Außer Getränken wurden alle Lebensmittel mit dem Fahrrad herangeschafft, auf ungeteerter, holpriger und löchriger Straße, im Winter mit Ski und Rucksack, meist 25-30 Pfund Inhalt. Diese Angaben stimmen genau, da ich 8 Jahre bei Fr. Reiß gedient habe." so eine ehemalige Mitarbeiterin.

 

Die heutige "Mooshütte" hatte ihren Ursprung nicht direkt an dem Platz an dem sie heute steht. Der Vorgängerbau, die "Löwengrube" welches die Hausnummer 70 trug und 100 m den Weg hinunter lag wurde 1897 als Wirtschaft erbaut und stand links neben dem Fußweg nach Bernbach, am Rand des Gennachmoores.

Die "Löwengrube" gehörte ebenso wie die heutige Mooshütte zum Besitz der Familie Otto Müller, Gutsbesitzer und Kommerzienräte aus Kaufbeuren.

Gottlieb Martin von Haus-Nr. 37/32 ist für kurze Zeit 1897 der erste Pächter der neuerbauten "Löwengrube". Doch bereits noch im gleichen Jahr übernimmt am 1. Dezember Peter Wallner, ein Schreiner aus Burglengenfeld, die Gaststätte. Am 24. März 1900 übergibt dieser an Josef Freudigmann, der aber bereits am 2.Januar 1901 die Mooshütte wieder verläßt. Jetzt übernimmt Gordian Mannsheimer, Torfarbeiter und Tagelöhner aus Bernbach. Ihm folgt 1907 Eduard Engstler aus Grönenbach. Am 17. März 1912 sucht der Handeslmann Fr. Xaver Kling um die Erlaubnis zum Betrieb der Schenkwirtschaft Haus-Nr. 65 zur "Löwengrube" nach. Von den Gemeindevertretern wird nun bemängelt, daß die Familie für die bestehenden Räumlichkeiten zu groß ist. Sie zählte 11 Kinder! Nachteiliges konnte nicht angeführt werden.

Wörtlich aus dem damaligen Gemeinderatsbeschluß: "In Bezug auf die Örtlichkeit ist der Gemeindeausschuß der Meinung, daß das Gebäude eher zum Abbruch als für ein Wirtschaftslokal geeignet sei. Bedürfnis für eine Wirtschaft ist nicht mehr vorhanden, da in jeder Wirtschaft der umliegenden Orte Flaschenbier zu haben ist, um solches zur Arbeitsstätte mitzunehmen." Die Schankerlaubnis konnte ihm jedoch nicht verwehrt werden.

1919 kommt es zu einem erneuten Pächterwechsel und der Besitzer der "Löwengrube", Otto Müller, ersucht um die weitere Genehmigung für den Ausschank geistiger Getränke. Die Antwort des Bezirksamtes Kaufbeuren: "Es wäre nötig, anstelle des wegen seiner Beschaffenheit und Lage den polizeilichen Anforderungen nicht genügenden Lokals, ein neues zu errichten." Darauf folgen jedoch noch drei weitere Pächterwechsel, bis 1928 die heutige Mooshütte von der Firma Dobler erbaut und im gleichen Jahr die "Löwengrube" abgerissen wird. Mit Max Brell verläßt 1930 der erste "Wirtschaftsführer" der neuerbauten Mooshütte bereits nach einem Jahr wieder unseren Ort. Jetzt folgt die lange Zeit der Veronika Reiß.Bekannter unter ihrem Vornamen "Vero" brachte sie es bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 1960 auf 30 Jahre Wirtin in der Mooshütte. Eine lange Zeit, wenn man sich die zuvor häufigen Pächterwechsel und die damaligen Bedingungen vergegenwärtigt.

 

Weiter Wirte und Wirtinnen auf der Mooshütte seit 1960:

Ursula Schaible 1961.

Jofef Kadlez (aus Budweis) 1962-1970.

Heinz Zimmermann 1970.

Marianne Gebler 1971-1985.

Alfred Riedle von 1986 bis Januar 2014.

Emil Amberger von 2014 bis 2017

Seit 2017 übernimmt Tanja Geser als jüngste Wirtin ...

 

Vom "Bockstechen"

In den 50er und 60er Jahren hatte auch der Brauch des Bockstechens in der Mooshütte noch seinen Platz. Dabei bekam man eine Lanze (Stock mit Nagelspitze) in die Hand gedrückt, durfte kurz die 10 Meter entfernt stehende, mit Ringen und Zahlen bemalte Holzscheibe anvisieren und schon wurde einem ein großer, schwarzer Papphut so weit über den Kopf gestülpt, bis es darunter ganz dunkel wurde. Mit weit ausholenden Schritten stürmten die einen Spieler jetzt los, als gälte es den zu gewinnenden Bock niederzustechen, während die anderen fast zaghaft einen Schritt vor den nächsten setzten und dabei die Lanze wie ein Ziersteckchen hielten.

So hatte jeder auf seine Art das Ziel fest im Auge und den mit einem farbigen Halsbändchen geschmückten, im Schatten hinter der Mooshütte angebundenen Geißbock im Kopf.

Während sich wenige Meter unterhalb der Mooshütte das junge Volk noch beim Bockstechen austobte, spielte vor der Hütte bereits der "Sirch Sepp" mit flinken Fingern auf seiner Harmonika zur Unterhaltung der zahlreichen Gäste.Im weißen Hemd mit hochgekrempelten Ärmel, in Lederhosen mit breiten, farbig bestickten Trägern und einem Trachtlerhut , mit einem Gamsbart so groß wie "a`Reagadächla",auf dem Kopf. In meiner Vorstellung sehe ich ihn heut noch durch die Reihen der Gäste gehen, nach allen Seiten nickend, und für jedes einzelne in seinen Hut geworfene Zehnerl ein "Vergelt´s Gott" auf den Lippen.

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